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Warum du nur 1000 echte Fans brauchst um als Künstler glücklich zu sein

Kann man als Künstler von seiner Kunst leben

Du bist Kinderbuchillustrator / -autor wie ich? Musiker oder Blogger. Fotograf, Zeichner, Youtuber oder Animator. Oder du bastelst Apps oder bist Erfinder, kurz jemand der etwas erschafft oder herstellt. Dann stellst du dir früher oder später die Frage:

„Wie schaffe ich es nur, von meiner Kunst zu leben?“

Das frage ich mich auch. Wie erreiche ich, was Janosch geschafft hat oder Astrid Lindgren oder Stephen King oder Eminem? Ist es Glück oder Talent? Und was muss ich machen, damit ich nicht mehr ewig meinem Brotjob nachgehen muss. Brauche ich Millionen, die mich kennen und meine Werke kaufen?

Oder ist das alles Mist und ich werde – von allen belächelt – alt werden, ohne meinen Traum gelebt zu haben?

Nun, es gibt eine sehr befriedigende Antwort für dich und mich da draußen im Netz auf die ich vor drei Jahren gestoßen bin. Ein kurzer Artikel über „1.000 true fans – 1000 echte Fans“.

Doch der Reihe nach.

Wann kann man als Künstler von seiner Kunst leben

Der Artikel stammt von Kevin Kelly, Mitbegründer und langjähriger Chefredaktuer des WIRED Magazins und seine befreiende These lautet.

„Du brauchst nur 1000 echte Fans, um als Künstler ein gutes Leben zu führen.“

Du musst gar kein Star sein. Keine Millionen müssen dich kennen. Du musst dich nicht fürs Boulevard ausziehen, nur für 1000 echte Fans.

Ein echter Fan ist ein Hardcore-Fan. Jemand, der alles kauft und alles liebt, was du rausbringst. Bücher, Online-Kurse oder Webinare. Der zu deinen Konzerten reist und deine Premium-Liebhaber-Box auf Kickstarter backed. Oder deine Seminar besucht. Dich auf Patreon unterstützt. Und der dich bekannter macht, indem er deine Beiträge postet oder deine Bücher Freunden empfiehlt.

Und wie kannst du von 1000 echten Fans leben?

1. Du brauchst gar nicht so viel Geld

Als schaffender Künstler oder Creator wie man heutzutage sagt, wie viel brauchst du tatsächlich, um ein gutes Leben zu führen? Klar. Jeder von uns hätte gerne ein paar Milliönchen auf dem Konto, aber die meisten von uns können vermutlich mit 100.000 € im Jahr gut auskommen.

Und deshalb brauchst du 1000 echte Fans. Wenn jeder von ihnen 100 € jährlich für deine Produkte ausgibt, hast du die 100.000 €.

Alles klar, soweit die Mathematik. Aber wo sind deine 1000 echten Fans? Wie erreichst du sie? Sind die alle in deiner Stadt unterwegs?

Das Gegenteil ist der Fall. Dein Fan kann überall sein. In Nepal, im Outback von Australien oder auf Hiddensee.

2. Go direct – go Longtail

Irgendwann fiel jemanden bei Amazon, Ebay oder Google auf, dass sich mit obskuren kleinen Nischenprodukten genau so viel Umsatz machen lässt, wie mit den 5 Topsellern. Sind die Topseller der Kopf des Umsatz-Biestes, dann sind die kleinen Nischenprodukte der Schwanz – der Longtail. Und da in den Chefetagen der Internetgiganten niemand etwas gegen mehr Umsatz hat, haben sie im Laufe der Zeit ihre Algorithmen dementsprechend angepasst.

© Niels Waller – Das Umsatz-Biest mit Kopf und Longtail


Nun wird dir vielleicht das kleine Buch eines unbekannten Bloggers über „Frühblühende Kakteen in der Carcross Desert“ neben dem neuesten John Grisham vorgeschlagen, wenn du irgendwann mal nach Kakteen oder Carcross Desert gesucht hast.

Die letzten hundert Jahre war es die Regel, dass Unternehmen einige wenige Produkte verkauft haben, die dann aber für den Massenmarkt. Unternehmen die probiert haben, viele verschiedene Nischenprodukte zu verkaufen gibt es nicht mehr, sie sind nämlich bankrott gegangen.

The Divergent Maze Runner Games oder wie

Am Beispiel des Buches. Ein großer Verlag musste immer schauen, was die Trends sind und was die anderen Top-Verlage grade verkaufen. The Hunger Games sind in? Welcher Autor von uns könnte eine ähnliche Reihe, in einer ähnlichen Welt schreiben und uns so Umsatz bescheren? Willkommen Divergent oder Maze Runner.

Für Nischenprodukte die vielleicht nur 1000 Leute begeistern, wie ein Buch über frühblühende Kakteen in der Carcross Desert, ist da kein Platz. Ein Künstler hatte es dementsprechend schwer, für solche Nischenprodukte Marketing zu betreiben oder von dem Verkauf gut zu leben.

Nutze er die Mittel und Wege großer Label oder Verlage, ist von den 100€, die ihm 1000 echte Fans gezahlt haben, nicht viel auf seinem Konto angekommen.

Ohne die Kapazitäten von Verlagen oder Major Labels, konnte er aber auch nicht mit seinen Fans in direkten Kontakt treten und an sie verkaufen.

Der Wegbereiter für Nischenprodukte

Durch das Internet ist das endlich möglich. Das Internet hat den Weg bereitet, Nischenprodukte direkt zu vertreiben, ohne auf die Kapazitäten der Großen angewiesen zu sein.

Eine Website ist schnell realisiert. Eine Portfolioseite oder ein Woocommerce-Shop kann sich heutzutage jeder mit ein wenig Vorarbeit aufbauen. Musik zum Hören anbieten. Soundcloud. Sich selbst promoten oder Konzerte organisieren. Klappt mit Facebook.

Und der eine echte Fan in Nepal oder im Outback von Australien oder auf Hiddensee? Nun früher war er der einzige weit und breit der sich für frühblühende Kakteen in der Carcross Desert begeistert hat. Dank des Internet kann er sich mit anderen Nerds weltweit in Foren austauschen und wird irgendwann den einen Blog auf der Welt finden, den es zu diesem Thema gibt. Und das Buch des Bloggers kaufen. Und wenn es gut war, das nächste auch.

Du hast schon 1000 echte Fans

Glückwunsch. Doch bevor du dich jetzt entspannt zurücklehnst, weil du bereits 1000 Likes auf Facebook hast oder 1000 Newsletter Abonnementen. So einfach ist es dann doch nicht.

1. Fan ist nicht gleich Fan

Mit diesem Missverständnis muss ich gleich aufräumen. Es geht nicht um 1000 Follower oder Abonnenten oder Zuhörer.

1000 echte Fans haben einen Preis. Und der lautet 5.000 halbherzige Fans.

Ganz richtig. Auf jeden echten Fan kommen vielleicht drei- bis fünfmal so viele Interessierte, die hin und wieder was von dir kaufen. Und auf die kommt dann nochmal die zehnfache Menge, die irgendeinen Blog Artikel oder irgendein Musikstück oder irgendein Bild gut fanden, aber nie was kaufen würden.

Das heißt, um 1000 echte Fans zu finden, musst du vielleicht 30.000 bis 50.000 Likes oder Follower in deinen sozialen Netzwerken sammeln. Es ist ein bisschen wie in deinem Bekanntenkreis. Deine echten Fans sind deine Familie, dann kommen deine Freunde und dann weitläufige Bekannte.

2. Wie viele Fans entscheidet die Nische

Je nach Nische in der du unterwegs bist, brauchst du mehr oder weniger als 1000 echte Fans. Bist du Teil eines Künstler-Quartetts, dann braucht ihr viermal so viele.

Ihr seid ein Trio? Macht 3000 echte Fans bitte.


Entscheidend ist auch die Menge an Output, die du pro Jahr generieren kannst. Oder das Geld das du pro Jahr brauchst. Vielleicht genügen dir ja 75.000 €.

Du willst Kinderbücher machen? Dann kannst du ein oder zwei Bücher pro Jahr rausbringen. Dazu noch einen Kalender mit den schönsten Bildern. Hier und da etwas Artwork und alle paar Jahre einen hochwertigen Spezialband mit den wirklich allerschönsten Bildern. Aber um hier auf 100€ zu kommen musst du ich schon ordentlich strecken. Hier sind eher 2000 Fans gefragt.

Musiker? Ein Trend bei vielen Hip Hop Artists sind ja derzeit Boxen, die zu jedem Album herausgerotzt werden. Im Wert von meist 50€. Ein klarer Fall von Content der sich an echte Fans richtet. Dazu eine Konzerttour von vielleicht 30€ und ein T-Shirt oder Pullover. Da reichen 1000 echte Fans.

Und es kommt darauf an, wie du deinen Output variierst. Kannst du nur Bücher herausbringen? Oder nebenbei noch Schreibkurse anbieten, am besten gekoppelt an einen Premium-Mitgliederbereich?

Es können also manchmal weniger, meistens etwas mehr als 1000 echte Fans sein. Aber definitiv weniger als 1 Million oder 100.000 oder 10.000.

3. Echte Fans machen Arbeit

Genau. 1000 echte Fans sind eine Chance, aber die Arbeit die dahinter steckt, ist nicht für jeden was. Das Internet bietet dir die Möglichkeit in Nischen genügend Leute weltweit zu erreichen, um durch Direktverkäufe an sie gut leben zu können. Du bist nicht mehr von Agenten und großen Verlagen abhängig.

Aber du musst dann ihre Arbeit übernehmen. Du musst dein eigener Agent sein, deine eigene Marketingabteilung, dein Manager und mehr.

Und das ist vielleicht gar nicht dein Ding. Du willst am liebsten nur malen oder schreiben und gar nicht so sehr das ganze andere Zeugs machen.

Nun dann brauchst du wahrscheinlich etwas mehr Fans und kannst dann jemanden einstellen der die Öffentlichkeitsarbeit für dich macht. Oder die alten Netzwerke von Major Labels und Verlagen nutzen.

Vielleicht ist das ja eh die Entwicklung die sie nehmen werden. Ähnlich wie Youtube-Netzwerke zu Dienstleistern werden, die Künstler promoten und absichern aber den einzelnen viel mehr Unabhängigkeit bieten.

4. Echte Fans können ein Falle sein

Kevin Kelly verfasste den Artikel auch, um nachzuweisen, dass seine 1000 echte Fans – Idee nicht nur ein Hirngespinst ist, sondern da draußen funktioniert. Und mittlerweile gibt es unzählige Beispiele von Zeichnern oder Musikern oder Filmemachern, die von ihren Fans leben können.

Das kann dann so laufen wie bei dem Science Fiction Autor Hugh Howey, der mit eBooks im Eigenverlag über seine 1000 echten Fans im Laufe der Zeit zum Amazon Bestseller wurde. Auch wenn er mittlerweile hier und da über große Verlage veröffentlicht, ist sein erster Schritt immer noch der direkte Kontakt zu seinen Käufern.

Oder es ist wie bei dem Musiker Robert Rich, der in seiner Antwort an Kevin Kelly geschrieben hat, dass er in etwa soviel wie der lokale Müllmann verdient, nur besser nach der Arbeit riecht.

Für ihn sind 1000 echte Fans aber auch eine Gefahr, wenn man sich ausschließlich auf sie verlässt. Dann gerät man mitunter in eine Abhängigkeit, dass man jedes Jahr neue Inhalte liefern muss, um die Fans aufs neue zu begeistern, aber nicht zu anders – zu neu sein darf, um sie nicht zu verprellen.

Echte Fans können dich künstlerisch unter Druck setzen, wenn sie das Gefühl haben, du seist nicht mehr so wie damals, als sie zum echten Fan wurden.

Hier gilt wahrscheinlich letzten Endes das gleiche Prinzip wie für jedes Business. Erobere dir eine Nische und erweitere sie dann Schritt für Schritt oder besetze weitere Nischen.

Als Künstler hat man es da leicht, es gibt immer Fans, die deine Kunst lieben und Bewunderer, die von dir lernen wollen. Beide Gruppen brauchen ganz unterschiedliche Produkte.

Und wie finde ich 1000 echte Fans

Zum Abschluss noch die wichtigste Frage. Wie fängt man an, 1000 echte Fans zu sammeln?

Ganz einfach. Mit deinem ersten echten Fan. Bei mir ist das meine Mutter. 🙂

Und dann mit den nächsten, meistens Freunde oder Familie. Ich zeige ihnen meine Bilder und meine Geschichten und merke direkt, wen es berührt und wer damit nichts anfangen kann. Und die, die es berührt, werden dann bei Laune gehalten, durch jährlich neuen Output. Und verbreiten meine Produkte. Klingt vertraut oder?

Und dann? Irgendwo da draußen in Nepal, Australien oder am Strand von Hiddensee gibt es ein paar Leute, die deinen Stil einfach lieben. Deine Musik ist das, was sie schon immer hören wollten oder deine Geschichten begeistern sie total.

Über das Internet sind sie dennoch so nah, als wären sie Familie und Freunde.

Tritt hervor aus dem stillen Kämmerlein und teile dich mit. Präsentiere deine Werke und nutze die Kanäle wie Youtube, Facebook, Soundcloud oder DeviantArt.

Sei du selbst. Zu viele wiederholen eigentlich nur, was andere längst gesagt haben und verstellen sich, um irgend jemanden zu gefallen. Aber genau damit wirst du deine 1000 echten Fans nicht ansprechen.

Also los geht’s. Wie viele echte Fans hast du bereits?

Viele Grüße, Niels

Beitrag Titelbild: Photo by Jay Wennington on Unsplash

Beitrag Gitarrenbild: Photo by Matheus Ferrero on Unsplash

#1000echteFans #KevinKelly

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